Silvesterlauf Trier

01.01.2018 - 20:40 | Leichtathletik

Mit gemischten Gefühlen kehrt die kleine, aber feine Mannschaft vom Silvesterlauf in Trier zurück!
Beim traditionell bestbesetzen Silvesterlauf auf deutschem Boden lief es schon im Vorfeld absolut unterschiedlich!
Von Ilyas Osman sollte nach einem fulminanten Herbst mit 2 überlegenen Siegen bei den Qualifikationsrennen zur Crosslauf Europameisterschaft und der daraus resultierenden Einladung zum Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft nach Portugal im Januar ein weiter Beweis seiner ungewöhnlichen Leistungsfähigkeit abgeliefert werden!
Er hatte - als Jugendlicher fast unmöglich - sogar einen Startplatz im Lauf der Asse ergattern können! Dieser Lauf ist von jeher mit Weltklasseläufern besetzt, auch dieses Jahr hatten sich Topathleten aus 23 Nationen in die Startlisten eingetragen!
Doch es sollte anders kommen: wenige Tage vor dem Rennen traten nach den bekannt harten Berganläufen im Weilburger Tal starke Beschwerden oberhalb des Knöchels auf!
Einige Tage Alternativtraining brachten nur unzureichend Besserung, sodass Günter Jung in verantwortungsvoller Manier kurzfristig einen Arzttermin arrangierte!
Das ernüchternde Ergebnis: 2 Wochen absolute Laufpause! Kein Silvesterlauf, kein Trainingslager!
Ilyas muss in seiner noch jungen Karriere mit dieser niederschmetternden Nachricht umgehen – und er tat es, wie man es von einem zukünftigen Klasseathleten erwarten kann:
Er begleitete seine Trainingskameraden Mo Bassou und Elisas Chesire nach Trier, um sie zu unterstützen! Sicher kein einfacher Weg, wenn man selbst so gerne gelaufen wäre…
Mo ging im 5 km Jugendlauf an den Start.
Aufgrund seiner sehr guten Trainingsergebnisse hatte er sich einiges ausgerechnet und ging hochmotiviert und bestens präpariert an den Start!
Auch im Jugendbereich ist der Lauf in Trier das Maß aller Dinge in Deutschland! Die Starterliste wurde in Vorfeld aufmerksam studiert! Es waren viele Athleten angemeldet, die sich in der deutschen Bestenliste im Laufe des Jahres weit oben platziert hatten, dennoch peilte Mo den Sieg an!
Dementsprechend agressiv gestaltete er sein Rennen! 50 m nach dem Start müssen die Läufer eine recht enge Linkskurve durchlaufen und Mo bog als erster auf die danach folgende Gerade von ca. 400m ein! Hier herrschte sehr starker Gegenwind!
Mo war aber selbstbewusst genug, sich davon nicht beirren zu lassen und verfolgte konsequent seinen Plan, das Rennen von der Spitze weg zu gestalten und seine hochklassige Konkurenz formlich aus den Schuhen zu laufen!
Nach einer Runde und exakt 1000m passierte er die Zwischenzeitmarke in sehr flotten 2:58! Im Schlepptau das Who is Woh der deutschen U 20 Mittel und Langstreckenelite!
Bei km 2 das gleiche Bild: Mo vorne, dahinter – wie an einer Perlenschnur aufgereiht – 5 weitere Athleten, die bereit waren, das schnelle Anfangstempo von Mo mitzugehen! Die Zwischenzeit: 6:04
Das Szenario sollte sich bis km 4,1 nicht ändern: Obwohl das Tempo nachgelassen hatte, war keiner der Mitläufer willens, etwas zu riskieren!
Dann jedoch ergriff Jannik Weiß von der LG Rhein Wied die Initiative und setzte zu einem langgezogenen Steigerungslauf an, Patrik Weisser, Velten Schneider und Niklas Krämer folgten und Mo hatte keine Kraft mehr, etwas dagegen zu setzen!
Von der Führungsarbeit über 4km zermürbt und vom offensichtlichen Scheitern seines taktischen Konzeptes frustriert, resignierte er auf den letzen 800m zusehens und wurde in passablen 15:53 auf dem 5. Platz registiert! Sicher kein objektiver Beweis seiner momentanen Leistungsfähigkeit! Nachdem die erste Enttäuschung bewältigt war konnte Mo bereits positive Schlüssse aus dem Rennen ziehen und blickt weiterhin optimistisch auf die anstehende Hallensaison voraus!
Nach den Jugendlichen wurde die Frauenelite, ebenfalls über 5 km, an den Start gerufen!
Hier hatte sich ein absolutes Topfeld an der Startlinie versammelt! Die deutsche Spitzenklasse war mit Konstanze Klosterhalfen, Katharina Heinig, Jana Sussmann, Corinna Harrer und Gesa Krause fast vollständig vertreten! Dazu kamen wie üblich schnelle Damen aus den Benelux-Staaten und Weltklasseläuferinnen aus Afrika!
Für dieses Rennen hatte sich auch Karin Schenk qualifiziert!
Intelligent und ihre Leistungsfähigkeit sehr realistisch einschätzend lief Karin von Anfang an auf eine Endzeit im Bereich ihres Vorjahresergebnisses hin!
Dabei ließ sich die Marathonspezialistin nicht durch taktische Spirenzchen und Tempowechsel ihrer Konkurentinnen aus dem Konzept bringen! Sie durchlief die 5 Runden relativ gleichmäßig und wurde mit der sehr guten Endzeit von 19:24 und dem 32. Gesamtrang in diesem Topfeld belohnt! Auf der Bahn ist diese Leistung sicher eine 18:45 wert, da es sich in Trier um einen Kurs mit fast durchgängig Kopfsteinpflaster und engen Kurven handelt! In der Altersklassenwertung der W 40 platzierts sich Karin als 2. sogar auf dem Podium!
In der Zwischenzeit hatte sich Elias Chesire auf seinen Start im Lauf der Asse vorbereitet! Wie bereits erwähnt: Topbesetzung am Start!
Besonders Ilyas hoffte auf ein gutes Ergebniss für seinen Freund und Trainingspartner, der sich so oft selbstlos und bescheiden in den Dienst der Sache stellt und Ilyas gerade bei langen Dauerläufen unterstützt!
Elias befindet sich nach einer anstrengenden Saison 2017 unter anderen mit einem Start bei den US amerikanischen Militärmeisterschaften noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Leistungsfähigkeit und hatte selbst seine Erwartungen an das Rennen vorsichtig optimistisch formuliert mit einer Zeit zwischen 24:45 und 25.00 über anstrengende 8km!
Nach einer Runde (1000m) trauten wir unseren Augen nicht: Es hatte sich eine ca. 25 Mann starke Spitzengruppe formiert und in deren hinteren Drittel hatte sich Elias eingenistet! Sehr flotte 2:58 standen für ihn zu Buche! Das lief auf 23:50 heraus, eindeutig zu schnell…
Mit Spannung wurde der 2. Durchlauf erwartet! Elias hing immer noch an der ersten Gruppe dran, wenn auch am seidenen Faden! Zwischenzeit 5:56, das Tempo hatte nicht nachgelassen!
Nun aber explodierte das bis dato für die Topläufer moderate Tempo förmlich! Der nächste KM wurde von der Spitze in 2:49 absolviert, klar das sich Elias spätestens jetzt nach hinten orientieren musste! Dennoch blieb die Uhr bei 3000m nach 8:56 stehen! In der Folge musste Elias dem scharfen Anfangstempo nun doch Tribut zollen und die Kilometerabschnitte pendelten sich auf solide 3:10 – 3.12 ein!
Sein selbst gestecktes Ziel wurde so um 10 sec. verfehlt, sicher dem zu schnellen Beginn geschuldet! Die letztendlich gestoppten 25:10 und Platz 23 in diesem Klassefeld sind aber aller Ehren wert und Elias war sichtlich zufrieden! Er hofft bei einem der nächsten Wettkämpfen auf eine 10km Zeit von unter 31 min, somit hätte er sein Leistungsniveau aus dem Frühjahr 2017 wieder erreicht!
Bei einer Pizza in unmittelbarer Nähe des Start-Ziel-Bereichs wurden die Rennen anschließend ausführlich analysiert – als Mo plötzlich, wie von der Terantel gestochen, aufsprang und aus dem Restaurant stürmte! Ilyas rief ihm hinterher: „Mo, was ist los?? Wohin gehst Du?“
Bereits die Tür in der Hand ruft er: „Konstanze!!! Da draußen läuft Konstanze….!“ Und weg war er! Nach kurzer Zeit kam er zurückgetrottet. „Und? Was hat sie gesagt“ wollte Ilyas wissen. Mo; nach Atem ringend antwortete: „ Boah, läuft die schnell aus, echt, das ist bestimmt 4:00, ich kam da nicht hinterher….“

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